Auf den Spuren des einstigen jüdischen Lebens in Lahr am Sonntag, 3. September 2017

Führung vom Historischen Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land, zum Tag der jüdischen Kultur mit Kunst- und Kulturhistorikerin Dr. Juliana Bauer

Treffpunkt um 15:15 Uhr am Lahrer Storchenturm in der Marktstraße

Unkostenbeitrag:      3,- EUR (Barkasse)

Sie werden mitgenommen zu einem Rundgang, auf dem an zahlreichen Stationen von den jüdischen Bürgern und Bürgerinnen berichtet wird, die in der Stadt lebten und arbeiteten.

Am Storchenturm befinden Sie sich an einem wichtigen Punkt von Lahrs beginnender jüdischer Geschichte: der Turm erinnert als Rest der einstigen Tiefburg der Herren von Geroldseck, der mittelalterlichen Stadtherren Lahrs, unter anderem auch an deren Judenpolitik. Von dort führt der Weg zur Lamm- und Metzgerstraße – der ehemaligen Judengasse – wo nach Errichtung des zweiten Stadtmauerrings ab etwa 1330 für knapp zwei Jahrzehnte das kleine jüdische Viertel des Mittelalters lag.

Nach der Vertreibung und Ermordung der Juden im Pestjahr 1349 sind in Lahr jahrhundertelang keine jüdischen Bewohner mehr nachweisbar. Erst mit dem Erlass des Gleichstellungs- und Freizügigkeitsgesetzes für die badischen Juden, das der Badische Landtag 1862 verabschiedete, zogen in den darauffolgenden Jahrzehnten wieder jüdische Familien nach Lahr. Sie kamen meist aus den umliegenden Dörfern, vor allem aus Kippenheim, Schmieheim und Friesenheim.

Die Juden prägten die in Handel und Industrie aufstrebende Stadt insbesondere als Kaufleute, aber auch als engagierte Mitbürger. Viele Geschäftshäuser „erzählen“ von ihren früheren Besitzern, die die Nationalsozialisten – nach Jahren von Boykott und Schikanen – am Abend des 9. November 1938 ihrer Existenzgrundlage völlig beraubten. Die ehemaligen Geschäfte Ullmann und Schwarz, das einstige Schuhhaus Haberer, die Kurzwarenhandlung Dreyfuß oder das frühere Weinlokal von Karl Haberer, der auch eine koschere Metzgerei führte – sie alle zeugen vom Leben und Wirken ihrer einstigen Besitzer.

Bedeutende Stationen des Rundwegs sind das Haus in der Bismarckstraße, in dem sich der 1888 eingerichtete Betsaal/die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde befand und das so genannte Judenhaus in der Schlosserstraße, wohin jüdische Bürger nach dem 9. November verwiesen wurden. Dorthin hatte man – nach der Schändung der Synagoge – ebenso den Gebetsraum verlegt. An diesen Orten stellt Juliane Bauer auch religiöse Riten und Objekte wie die Thorarolle, die Menora u.a. vor.

Abschließen wird die Führung mit einem Gang zum Mahnmal am Friedrich-Ebert-Platz, wo an die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportierten Lahrer Juden und Jüdinnen eindringlich erinnert wird.

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