Auf den Spuren des 1. Weltkrieges in den Vogesen (Exkursion)

2014-09-27 Exkursionsteilnehmer Lingekopf

Am letzten Wochenende war Norbert Klein auf Geschichtsreise in den Vogesen unterwegs. Für seine zweite Exkursion auf den Spuren des 1. Weltkrieges hatte er sich dieses Mal den Lingekopf hoch über dem elsässischen Münstertal ausgewählt. Hier hatte vom 20. Juli bis 15. Oktober 1915 eine menschenverachtende Schlacht um die drei Bergkuppen Lingekopf, Schratzmaennle und Barrenkopf, der in dieser kurzen Zeit 17.000 deutsche und französische Soldaten zum Opfer fielen, stattgefunden.

Gleich zu Kriegsbeginn Anfang August 1914 war die 1. Französische Armee ins Elsass eingedrungen und hatte wichtige Gipfel der Vogesen besetzt. Dann wurden für die Marneschlacht auf beiden Seiten die Soldaten abgezogen, um den Ansturm der Deutschen auf Paris entweder zu verhindern oder zu unterstützen. Nach dem „Wunder an der Marne“ wurde die Deutschen Armeeeinheiten nach Flandern zurückgedrängt, hier entwickelte sich nun ein furchtbarer Schützengrabenkrieg. Bis aber wieder französische Soldaten für die Vogesenfront erübrigt wurden, hatten sich die Deutschen auf dem Lingekopf bereits mit Betonbunkern und befestigten Schützengräben auf den feindlichen Ansturm vorbereitet. Ein sinnloses Anstürmen, Verlieren und Wiedergewinnen der strategischen Bergkuppen begann und endet dann am 15. Oktober 1915 mit der Einsicht, dass hier kein Krieg zu gewinnen war.

Bei der Exkursion wurden die Stellungsgräben auf dem Lingekopf nach einer geschichtlichen Einweisung mit ganz anderen Augen erkundet. Abschreckendes Bespiele sind der deutsche Soldatenfriedhof am Baerenstall und die französische Gedenkstätte am Col du Wettstein. Tausende Gräber erinnern an das bekannte Zitat von Albert Schweizer, der im nur 3 km entfernten Gunsbach geboren wurde: „Die Soldatenfriedhöfe sind die großen Prediger des Friedens.“ Vielleicht sollten sich unter diesem Gesichtspunkt einige Politiker diese Friedhöfe näher betrachten.

Hintergrund:

war-230357_640Ganz erstaunlich ist, wie mit großem Detailwissen in den Medien über den Beginn des 1. Weltkrieges informiert wird. Auch die Volkshochschule Lahr hat 100 Jahre nach dem Kriegsbeginn mit ihrem Programm auf dieses Ereignis hingewiesen. Mit dem Vortrag „Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution“ von Stadtarchivar Thorsten Mietzner am 14.11.2014, 19.00 Uhr, im VHS-Zentrum zum „Pflug“ endet die Informationsreihe zum Beginn des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren.

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Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert: „Wehe dem, der Europa in Brand steckt.“ (Helmuth Moltke)

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Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Unter Historikerinnen und Historikern gilt er als „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, Beginn eines „Dreißigjährigen Krieges“. Schon 1890 warnte ausgerechnet der preußische General Helmuth Moltke vor diesem Krieg, zeitgleich prophezeite der Sozialdemokrat August Bebel das Ende der bürgerlichen Gesellschaft, sollte es zu einem großen europäischen Krieg kommen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat der Erste Weltkrieg – nachdem er lange im Schatten des Zweiten Weltkrieges stand – eine neue Aktualität gewonnen, die viel mit den politischen Konstellationen des „Nachwende-Europas“ zu tun hat. In einem Vortrag führt Stadthistoriker Thorsten Mietzner in die Ereignisgeschichte, aber auch in die Wahrnehmung dieses Krieges bis heute ein.

  • Dozent: Thorsten Mietzner
  • Ort: Lahr; VHS-Zentrum zum „Pflug“; Vortragsraum
  • Termin: Mi. 25.06.2014 / 19:00 – 20:30 Uhr
  • Kosten:3,50 EUR

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„Eine Veranstaltung im Rahmen der Sternschnuppen – Kultursommer Lahr 2014“: Das Kulturleben in Lahr ist vielfältig und spannend. Zahlreiche freie und kommunale Kulturträger und Kulturschaffende tragen dazu bei und bieten ein umfangreiches kulturelles Angebot in Lahr an. Dies alles spiegelt sich in den „Sternschnuppen“ wieder, dem großen Lahrer Sommer-Kulturprogramm. In der gemeinsamen Verantwortung und Organisation von Kulturamt und Stadtmarketing Lahr werden im Zeitraum von Samstag, 10. Mai, bis Sonntag, 14. September 2014, die „Ste rnschnuppen – Kultursommer Lahr“ präsentiert, welche sowohl beliebte und bekannte, als auch neue kulturelle Angebote und Veranstaltungen beinhalten. Das Programmheft mit detaillierten Informationen zum Kultursommer ist im KulTourBüro im Alten Rathaus, den Ortsverwaltungen sowie in zahlreichen Geschäften und städtischen Einrichtungen erhältlich. Oder auch hier als Download. Außerdem sind alle Angaben zu den Veranstaltungen des Kultursommers im Internet unter www.populahr.de zu finden.“

 

Auf den Spuren des Ersten Weltkriegs: VHS-Teilnehmer besuchen die Feste Kaiser Wilhelm II.

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Eines der Leitthemen der Volkshochschule ist in diesem Jahr der Erste Weltkrieg, der vor 100 Jahren am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung von Österreich/Ungarn an Serbien begann. Mit einer Exkursion ins Breuschtal im benachbarten Elsass hat Kursleiter Norbert Klein die Veranstaltungsserie eröffnet. VHS-Teilnehmer besuchen die Feste Kaiser Wilhelm II. im benachbarten Elsass und den Soldatenfriedhof bei Grendelbruch. Bis Ende des Jahres gibt es noch weitere Veranstaltungen zum Thema (Infos dazu am Ende des Beitrags).

Lahrer Exkursionsteilnehmer auf der Festung nahe Mutzig Foto: Privat

Lahrer Exkursionsteilnehmer auf der Festung nahe Mutzig Foto: Privat

Im Breuschtal stand zunächst die Besichtigung der Feste Kaiser Wilhelm II. bei Mutzig auf dem Programm. Mit einem enormen finanziellen Aufwand war eine elf Kilometer umfassende Festungsanlage gebaut worden, die so viel Geld verschlang, dass für den Bau der Lahrer Infanterie- und die Artilleriekaserne kein Geld mehr zur Verfügung stand. Deshalb waren die Lahrer Ratsherren gezwungen, die Finanzierung der beiden Militäranlagen aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Wäre der Erste Weltkrieg nicht gekommen, so wären die beiden Kasernen aufgrund der Pachtgebühren erst 20 bis 30 Jahre später bezahlt gewesen, so Klein. „Doch leider fielen dem Machtbestreben der damaligen europäischen Herrscherfamilien, die größtenteils sogar miteinander verwandt waren, nicht nur gewaltige Geldsummen, sondern leider auch rund 17 Millionen Menschen zum Opfer.“

Die Lahrer Artilleristen, die sogenannten 66er, wurden zu Kriegsbeginn sofort in die ersten Schlachten südlich des elsässischen Mulhouse mit einbezogen. Am 10. August starben mit Wachtmeister Walther Trübe und den beiden Kanoniers Albert Glatt und Heinrich Kampe die ersten Soldaten. Am 18. August kam es zum erwarteten Angriff der französischen Armee in Richtung der Kaiser-Wilhelm-Festung. Doch die Deutschen waren mit der Einberufung von Tausenden von jungen Männern vorbereitet. Letztendlich wurden die Franzosen mit der Unterstützung der Kanonen der Festung und eines Sturmangriffs zweier Reservedivisionen zurückgeschlagen. Insgesamt wurden an diesem Tag aus vier Kanonen 291 Granaten verschossen, hierbei handelte es sich um den ersten und letzten Kampfeinsatz der 17 Millionen Goldmark teuren Militäranlage. Die Lahrer Exkursionsteilnehmer gaben den toten französischen Soldaten des 18. Augusts mit einem Besuch des Soldatenfriedhofs bei Grendelbruch die letzte Ehre.

Weitere Veranstaltungen: Am Mittwoch, 25. Juni, Vortrag von Thorsten Mietzner: „Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert“;  Exkursion mit Norbert Klein am Samstag, 27. September, zu den Kriegsschauplätzen auf dem Lingekopf oberhalb des Münstertals. Und im Dezember wird es noch eine vierte Veranstaltung geben: am 14. oder 7. November (Datum steht noch nicht ganz fest) folgt der Vortrag „Der erste Weltkrieg in Lahr“ mit dem Referenten Thorsten Mietzner.

(Der Text wurde von unserem Dozenten Herr Norbert Klein zur Verfügung gestellt)