Volkshochschulen holen Europa in jede Stadt und jede Gemeinde! – Jahrestagung des VHS-Verbandes in Ulm

Die diesjährige Jahresversammlung des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg fand am 7. Juli in Ulm statt. Auch Carmen Wenkert, Leiterin der VHS Lahr, ist in Ulm dabei gewesen. Die drei zentralen Themen waren die Initiative „Volkshochschulen für Europa“, die soeben erschienene Leistungsbilanz 2016 sowie der mit dem Land geschlossene Weiterbildungspakt.
Im Stadthaus Ulm begrüßte am heutigen Freitag der Vorsitzende Fritz Kuhn, Oberbürgermeister von Stuttgart, rund 140 Gäste zur Öffentlichen Jahrestagung des Volkshochschulverbandes. Zum zentralen inhaltlichen Thema der Versammlung, der Weiterbildungsinitiative „Volkshochschulen für Europa“, sagte Kuhn: „Europamüdigkeit, Europaskepsis und Europakritik greifen um sich, dabei wird die große Bedeutung der Europäischen Union als friedensstiftende Organisation stark unterbelichtet. Als Volkshochschulen wollen wir hier einen Kontrapunkt setzen. Wir wollen das Wissen um Europa und die einzelnen Länder durch unsere Arbeit fördern und so auch mehr menschliche Begegnungen ermöglichen. Volkshochschulen sind auch Schulen für Europa!“
In seinem Fachvortrag „Ideal und Kalkül. Die europäische Einigung in historischer Perspektive“ warf Prof. Dr. Ulrich Herbert von der Universität Freiburg zunächst einen Blick auf den europäischen Einigungsprozess vom Marshallplan bis zur europäischen Währungsunion. Dabei zeigte sich: Der gegenwärtige Zustand des Friedens und Wohlstands ist nicht selbstverständlich und deshalb eine permanente Leistung. „Die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit und den Sinn europäischer Solidarität kann nur beurteilen, wer die historische Dimension des Projekts Europa einschätzen kann. Deshalb ist Europa wesentlich auch eine Bildungsaufgabe.“, so der Direktor des Volkshochschulverbandes Dr. Hermann Huba. Und die Volkshochschulen sind ideale Orte für diese Bildungsaufgabe, weil sie für alle offen, flächendeckend verbreitet und parteipolitisch neutral sind. Näheres erläutert der Verband in seiner beigefügten „Ulmer Erklärung“.
Das Bildungsthema Europa spiegelt sich schon jetzt in den Programmen vieler Volkshochschulen wider, sei es im Bereich der politischen und kulturellen Bildung, der Gesundheit, der Sprachen oder beim Thema Arbeit und Beruf. Die Kurssuche zu „vhs für Europa“ ist abrufbar unter http://www.vhseuropa.de.
Zur Tagung wurde die neue VHS-Statistik des Jahres 2016 veröffentlicht. Die Volkshochschulen in Baden-Württemberg leisteten erneut fünf Prozent mehr Unterrichtsstunden als im Vorjahr. Damit erreichten sie die Rekordzahl von 3,2 Millionen. Die Anzahl der Teilnehmenden erhöhte sich auf 2,2 Millionen. Die Zuwächse sind in erster Linie auf den Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ zurückzuführen, also auf Integrations- und Flüchtlingskurse. „Für diese erneute Anstrengung haben die Volkshochschulen alle verfügbaren Ressourcen restlos ausgeschöpft. Deshalb müssen wir das Land an sein Versprechen erinnern, die VHS-Arbeit finanziell zu stärken.“, so Huba.
Die schrittweise Erhöhung der Landesförderung ist ein Versprechen, das im Weiterbildungspakt verankert ist, und eine Aufgabe, die auch der Koalitionsvertrag von 2016 der Landesregierung stellt.
Kuhn zog das Resümee: „Die im baden-württembergischen VHS-Verband organisierten Volkshochschulen können Rekordzahlen vermelden: Diese Ergebnisse zeigen, dass in den Volkshochschulen im Land sehr gute Arbeit geleistet wird. Nun wünsche ich mir, dass dies auch durch eine Förderungserhöhung seitens des Landes honoriert wird, sodass wir wenigstens den Bundesdurchschnitt erreichen.“
Zum sog. Nahziel des Weiterbildungspakts, dem Erreichen des Bundesdurchschnitts bei der Finanzierung der Volkshochschulen, fehlen trotz erfolgter Erhöhungen immer noch knapp fünf Millionen Euro jährlich. In diesem Umfang ist Baden-Württemberg nach wie vor bundesunterdurchschnittlich.

Zum Volkshochschulverband Baden-Württemberg gehören 169 Volkshochschulen mit rund 700 Außenstellen. Die Einrichtungen vor Ort bieten ein flächendeckendes Netz an vielfältigen Angeboten zur Allgemeinbildung, zur Gesundheitsbildung, in den Sprachen, zum Thema Integration und zur beruflichen Qualifizierung sowie in der Alphabetisierung und Grundbildung. Informationen über die Arbeitsfelder der Volkshochschulen finden Sie auf der Homepage des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg: http://www.vhs-bw.de.

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Erklärung des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg anlässlich seiner Jahresversammlung am 7. Juli 2017 in Ulm

Ulmer Erklärung: Volkshochschulen für Europa
Sechzig Jahre Römische Verträge, über 70 Jahre Frieden und Wohlstand in Europa. In vielerlei Hinsicht ist das Projekt Europa, das nach dem Zweiten Weltkrieg begann, ein enormer Erfolg. Nicht ohne Grund setzte sich Albert Einstein, der größte Sohn der Stadt Ulm, bereits vor 100 Jahren während des Ersten Weltkriegs für den Aufbau eines dialogorientierten staatlichen Netzwerks in Europa ein.
Derzeit jedoch scheint das Friedens-, Freiheits- und Wohlstandsprojekt Europa in größerer Gefahr als je zuvor. Für viele Menschen ist Brüssel weit entfernt, Großbritannien will die Union verlassen und die Zuflucht von Hunderttausenden Armer und Geschundener stellt die europäischen Länder und ihre Solidarität auf eine harte, noch nicht bestandene Probe.
Um als Europäerinnen und Europäer zusammenwachsen zu können und zusammen zu bleiben, ist die Kenntnis der jeweils anderen von größter Bedeutung – Fremdheit nährt stets Sorgen und Ängste. Gerade in dieser Hinsicht dürfen sich die Volkshochschulen auf ihre Fahnen schreiben, schon lange „Schulen für Europa“ zu sein.
In der Politischen und Allgemein-Bildung bieten sie nicht nur die Chance, das Verhältnis zum eigenen Staat zu bestimmen, sondern auch auf andere Länder zu blicken. Angebote im Bereich Geschichte ermöglichen, historische Ereignisse in größeren Zusammenhängen zu sehen, die Notwendigkeit von Solidarität zu begreifen und den Sinn und Nutzen eines geeinten Europas zu erkennen. Zur Solidarität gehört auch das „Sich Verstehen“ und damit ganz elementar die Kenntnis europäischer Sprachen, die in unzähligen Kursen in kleinen wie großen Volkshochschulen gelehrt werden. Die Kursleitenden – vielfach selbst mit internationalen Wurzeln – bieten dabei noch mehr: Einblicke in die kulturellen Traditionen der Länder, mit denen sie Verständnis auf- und Vorurteile abbauen.
Die Kulturelle Bildung macht den Kulturraum Europa sicht- und erlebbar: in Kunstwerken und den Diskussionen über sie, beim gemeinsamen Musizieren und Tanzen und nicht zuletzt durch das Erlernen von Kunsthandwerkstechniken anderer Länder. Über „Erasmus +“ und andere Förderprogramme der Weiterbildung geben die Volkshochschulen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheiten zu bereichernden Begegnungen mit anderen Europäerinnen und Europäern. Einblicke in deren Arbeits- und Lebenswelten verhelfen zu neuen Sichtweisen auch auf die eigenen kulturellen Prägungen, stärken die Persönlichkeit und weiten den Horizont – ideale Voraussetzungen für Solidarität in Europa.
Schnell nahmen die Volkshochschulen mit ihren Integrations- und Deutschkursen die Herausforderungen an, die die Geflüchteten mit sich brachten. Diese Menschen, deren Zugehörigkeit zu Deutschland und Europa oft in Frage gestellt wird, sind bereits Teil der Volkshochschulen und unter ihrem Dach zu Hause. Sie begegnen einander und den zahlreichen anderen heterogenen Gruppen in unseren Häusern. Damit wachsen Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität.
Europa mag für viele Menschen fern und abstrakt sein, die Volkshochschulen mit ihren konkreten Angeboten sind nah – und bestens geeignet, Europa in jede Gemeinde zu holen.

Quelle: Volkshochschulverband Baden-Württemberg e. V.

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