Führung zum Tag der jüdischen Kultur am 4. September

Auf den Spuren des einstigen jüdischen Lebens in Lahr

Zum Tag der jüdischen Kultur am 4. September bietet die Kunst- und Kulturhistorikerin Dr. Juliana Bauer eine informative Führung zum ehemaligen jüdischen Leben in Lahr an. Beginnend am Mahnmal für die deportierten Juden nimmt sie die Teilnehmer mit auf einen Rundweg, der an zahlreichen Stationen an die jüdischen Bürger und Bürgerinnen erinnert, die dort lebten und arbeiteten. Zu der Veranstaltung lädt der Historische Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land ein. Treffpunkt ist um 15:00 Uhr am Gurs-Mahnmal am Friedrich-Ebert-Platz /Ecke Alte Bahnhofstraße. Der Beitrag beträgt 3,- EUR.

Lahrer Mahnmahl für Gurs, Quelle: Stadtarchiv Lahr

Lahrer Mahnmahl für Gurs, Quelle: Stadtarchiv Lahr

Mit dem Erlass des Gleichstellungs- sowie des Freizügigkeitsgesetzes 1862 zogen vor allem bis Ende des 19.Jahrhunderts jüdische Familien, meist aus den umliegenden Dörfern, nach Lahr. Sie prägten die in Handel und Industrie aufstrebende Stadt insbesondere als Kaufleute, aber auch als engagierte Mitbürger. Viele Geschäftshäuser zeugen von ihren früheren Besitzern, die die Nationalsozialisten – nach Jahren von Boykott und Schikanen – am Abend des 9.November 1938 ihrer Existenzgrundlage völlig beraubten. Der Weg führt zu den ehemaligen Geschäften Ullmann und Schwarz, dem einstigen Schuhhaus Haberer, der ehemaligen Kurzwarenhandlung Dreyfuß und dem früheren Weinlokal von Karl Haberer, der auch eine koschere Metzgerei führte – und zu vielen anderen Orten.

Bedeutende Stationen des Rundgangs sind das Haus in der Bismarckstraße, in dem sich der 1888 eingerichtete Betsaal/die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde befand und das so genannte Judenhaus in der Schlosserstraße, wohin jüdische Bürger nach dem 9. November verwiesen wurden. Dorthin hatte man – nach der Schändung der Synagoge – ebenso den Gebetsraum verlegt. An diesen Orten stellt Juliana Bauer auch religiöse Riten und Objekte wie die Thorarolle, die Menora u.a. vor.

Abschließen wird die Führung mit einer Rückkehr ins mittelalterliche Lahr und einem kurzen Ausblick ins Jiddische. In der Lamm- und Metzgerstraße, wo bis 1349 das jüdische Viertel lag, weiß sie von Michel, dem Juden zu erzählen wie auch von der Judenpolitik der damaligen Stadtherren, der Geroldsecker. Ein Blick auf die Ursprünge der jiddischen Sprache, die die jüdische Bevölkerung pflegte, wird bei manchen für eine kleine Überraschung sorgen!

Dr. Juliana Bauer ist Dozentin der VHS Lahr. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Judentum, der jüdischen Glaubenswelt und der jüdischen Kultur. In Crailsheim/Hohenlohe machte sie über mehrere Jahre bis zu ihrer Rückkehr nach Lahr Führungen auf dem jüdischen Friedhof. Zum 70. Jahrestag der Deportationen in Württemberg 2011 initiierte und konzipierte sie mit der Künstlerin Marlis Glaser eine umfassende Ausstellung im Crailsheimer Stadtmuseum. Außerdem leitete sie für die VHS Crailsheim eine Exkursion ins Jüdische Museum Augsburg und die dortige Synagoge.

Sie interessieren sich für weitere Angebote zur jüdischen Geschichte?

Schon jetzt können sich Teilnehmer für die VHS-Tagesfahrt ins jüdische Basel am Donnerstag, 6. April 2017 mit Juliana Bauer anmelden. Das jüdische Museum der Schweiz und ein Stadtrundgang einschließlich Synagoge stehen auf dem Programm. Die Fahrt ist eine Kooperation von VHS Lahr, VHS Offenburg und VHS Kehl-Hanauerland. Anmeldung nur bei der VHS Lahr

 

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