Das mystische Wesen der Ikonen – Veranstaltung vom 25. Juni 2015

Kulturwissenschaftler Dr. Alexander Tschirwa erklärte am Donnerstag in der Christuskirche in Lahr, wie man traditionelle Ikonen verstehen kann. Ikonen sind in den orthdoxen Kirchen verbreitet und stellen in Bildern meist heilige Personen dar. Sie werden seit dem 4. Jahrhundert gemalt, als klassischer Anfang gilt die Ikone der heiligen Nino, die in Georgien verehrt wird.

Tschirwa machte deutlich, dass Ikonen eher nicht als Kunstwerke zu betrachten sind, sondern eher als Kunsthandwerk, das auch berührt werden darf. Nicht die Ikone selbst gilt als heilig, sondern die dargestellte Person.

In spannenden Vergleichen von biblischen Geschichten, die gleichermaßen in berühmten Kunstwerken wie in Ikonen dargestellt werden, wurden die Unterschiede deutlich: während im Kunstwerk durch komplexe Linienführungen und komplexe Blickwinkel auf verschiedene Personen oder Gegenstände eine Geschichte erzählt wird, wird bei einer Ikone mit anderen Stilmitteln gearbeitet. Bei einer Ikone wird das Bild sehr einfach gestaltet, der Hintergrund wird schlicht gehalten, zentrale Personen stehen im Mittelpunkt, andere, wie auch Auftraggeber, werden höchstens klein dargestellt. Die Kleidung ist einfach, die Bilder wirken flach, indem eine umgekehrte Perspektive gewählt wird. Dadurch kann der Blick des Betrachters auf die zentrale Person fixiert werde, denn das Dargestellte soll dem Betrachter nahe sein. Auch die Bildsymbolik und Farben folgen klaren Regeln: erlaubte Motive sind in einem Register festgelegt, drei erhobenen Finger stehen für die Dreifaltigkeit, der Wanderstab für Autorität, die Farbe grün steht für das ewige Leben, während ein blaues Gewand die Weisheit darstellt. Auch der Maler einer Ikone selbst tritt in den Hintergrund: um überhaupt eine Ikone malen zu dürfen, braucht er die Erlaubnis von Kirche oder Kloster. Hier wird regelmäßig für ihn gebetet, denn die Vorstellung ist da, dass Gott die Hand des Künstlers führt. Durch vielfache Reduktionen wollen Ikonen nicht eine komplette religiöse Geschichte erzählen, sondern einen Ausdruck des Glaubens schaffen.

Der Vortrag in Kooperation mit der Christuskirche stand im Zusammenhang mit der Ausstellung von Werner Moser „Bilder des Glaubens“, die noch bis zum 5. Juli in der Christuskirche zu sehen ist.
Finissage am 5. Juli, 10:15 Uhr.

Fotos: moderne Ikonen von Werner Moser

Personen: Dr. Alexander Tschirwa und Pfarrer Kieren Jäschke

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